

Die aktuellen Zahlen zu rechtsextremen Straftaten in Sachsen zeigen eine dramatische Entwicklung: Laut Beantwortung einer Kleinen Anfrage der Grünen durch das Innenministerium ist die Zahl rechtsextremer Delikte im Jahr 2024 auf 4.216 gestiegen – nach 2.704 im Vorjahr und rund 2.000 Fällen in den Jahren zuvor. Besonders besorgniserregend ist die wachsende Zahl jugendlicher Tatverdächtiger: Unter den 2.842 ermittelten Beschuldigten waren 816 Jugendliche. Im Vorjahr lag diese Zahl noch bei 218. Für die Dresdner SPD-Landtagsabgeordneten Albrecht Pallas und Sophie Koch ist klar: Diese Entwicklung ist ein ernstes Warnsignal für Sachsen.
Sophie Koch, jugendpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, sieht die Ursachen auf mehreren Ebenen:
„Wir erleben, dass gewaltbereite Rechtsextremisten immer jünger werden. Die Radikalisierung erfolgt häufig über unregulierte digitale Räume oder fehlende verlässliche Strukturen in Schule, Freizeit und sozialer Unterstützung. Wenn Jugendarbeit, Schulsozialarbeit oder Jugendhilfe dauerhaft überlastet oder unterfinanziert sind, entsteht ein Vakuum, das extremistische Akteure gezielt nutzen. Wir müssen diese Lücken schließen und Jugendliche frühzeitig stärken.“
Albrecht Pallas, 4. Vizepräsident des Sächsischen Landtags und innenpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, betont die sicherheitspolitische Dimension:
„Rechtsextremismus bleibt die größte Gefahr für unsere Demokratie – und die starke Zunahme jugendlicher Tatverdächtiger zeigt, dass wir es mit einer neuen Qualität der Radikalisierung zu tun haben. Repression allein reicht nicht aus. Wir brauchen einen umfassenden 360-Grad-Ansatz aus Prävention, Bildung, Sozialarbeit und konsequenter Strafverfolgung. Radikalisierte Jugendliche und junge Erwachsene müssen als eigenes Handlungsfeld im sächsischen Gesamtkonzept gegen Rechtsextremismus verankert werden.“
Beide Abgeordnete verweisen auf den von ihnen organisierten Runden Tisch „Zunehmende Radikalisierung junger Menschen in Sachsen“, der am 21. Oktober in Dresden stattfand. Teilnehmende aus Jugendhilfe, Wissenschaft, Sicherheitsbehörden und Sozialarbeit diskutierten über Ursachen, Dynamiken und Gegenstrategien. Es wurde deutlich, wie eng die professionelle Praxis, wissenschaftliche Erkenntnisse und Sicherheitsbehörden zusammenarbeiten müssen, um Radikalisierung früh zu erkennen und Gegenstrategien erfolgreich umzusetzen. Die SPD-Abgeordneten fordern den Freistaat auf, die gewonnenen Erkenntnisse nun konsequent in politische Maßnahmen zu überführen.
Hintergrund:
- Bericht der Sächsischen Zeitung vom 28.11.2025: https://www.saechsische.de/politik/regional/sachsen-deutlich-mehr-rechtsextreme-straftaten-bei-jugendlichen-PO4Q4WTMXRELJJA266Q7IIVP6Q.html
- Bericht zum Runden Tisch „Zunehmende Radikalisierung junger Menschen in Sachsen“ vom 21. Oktober 2025 auf Einladung der Dresdner Landtagsabgeordneten Sophie Koch und Albrecht Pallas: https://albrechtpallas.de/2025/10/23/rueckblick-runder-tisch-zunehmende-radikalisierung-junger-menschen-am-21-oktober/








